Nach drei Jahrzehnten intensiver Arbeit ist unter Wissenschaftlern eine Diskussion über den Schwerpunkt entbrannt, der bis jetzt in der Alzheimer-Forschung gesetzt wurde: Heilung. Was aber, wenn es für Alzheimer keine Heilung gibt? In der Dezember-Ausgabe der wissenschaftlichen Zeitschrift “Journal of Alzheimer’s Disease” veröffentlichte ein Team der Universität South Florida in den USA unter der Führung von Dr. Ming Chen jetzt einen entsprechenden Bericht. Der Fokus auf Heilung, sagten die Forscher, gehe vor allem auf den gesellschaftlichen Druck zurück und habe dazu geführt, dass Alzheimer als heilbare Krankheit dargestellt werde.
Der Forschungsaufwand in den letzten Jahren sei enorm gewesen, dennoch gebe es kaum Erfolge zu vermelden und Wissenschaftler schwebten weiterhin weitestgehend im Dunkeln bei der Beantwortung der Frage: Was genau sind die Ursachen von Alzheimer. Daher der Vorschlag des Teams um Dr. Chen: Weg vom Fokus auf das Finden irgend eines bösen Krankheitserregers, hin zu einer breiten Forschung, die Alzheimer (und Demenz generell) als Teil des Alterungsprozesses sieht. Man solle sich auf moderne Risikofaktoren wie Diabetes und Bluthochdruck konzentrieren und versuchen die Krankheit in Schach zu halten, anstatt sie wie einen unsichtbaren Feind permanent zu besiegen.
Dem können wir natürlich nur zustimmen. In letzter Zeit gibt es häufiger kleinere und mittelgroße Erfolge bei der Verlangsamung des Prozesses, der aus Alzheimer-Patienten pflegebedürftige Fälle macht. Was natürlich nicht heißen soll, dass Forscher aufgeben sollten, nach einem Heilmittel für Alzheimer zu suchen. Selbst Dr. Chen möchte sich dahingehend nicht falsch verstanden wissen. Forscher sollten weiter große Ziele verfolgen, dazu gehöre auch die Heilung von Alzheimer. Aber es müsse auch darum gehen, unmittelbare bevorstehende Probleme wie die Überalterung unser Gesellschaft in die Rechnung mit einzubeziehen. Man müsse pragmatisch denken, ohne gleich das große Ziel aus den Augen zu verlieren.

