Früher hätte man ältere Menschen mit allen Symptomen von Alzheimer schlicht und ergreifend “senil” bezeichnet. Man hätte sich um ein Pflegeheim gekümmert, hin und wieder mit dem Kopf geschüttelt und in schlimmen Fällen eventuell über eine Einweisung in die Anstalt nachgedacht. Seitdem hat sich zum Glück viel getan und Wissenschaftler haben erstaunliche Fortschritte bei Diagnose-, Vorbeuge- und Behandlungsmöglichkeiten gemacht – kurz: wir wissen heute unglaublich viel mehr über eine Krankheit, die vor 30 Jahren noch weitestgehend unbekannt war.
Wieso 30 Jahre, werden Sie fragen, das gab es doch auch schon früher. Stimmt, 1907 wurde die Krankheit erstmals diagnostiziert, aber der Name Alzheimer machte erst in den späten 1970ern und frühen 1980ern die Runde. Viele Menschen sahen Gedächtnisverlust und verwirrte Konfusion noch als normales Zeichen des Alterns an. Man verbrachte wenig Zeit damit, eine Krankheit zu diagnostizieren oder zu behandeln, die von einem Großteil der Bevölkerung nicht als solche wahr genommen wurde.
In den 80er Jahren gab es eine Kehrtwende. Alzheimer-Organisationen wurden gegründet, Alzheimer-Wochen ausgerufen. Ärzte entwarfen spezielle Therapien und Pflegepläne, einige sehr erfolgreich, andere weniger. Man erkannte die Notwendigkeit, Patienten an erste Stelle zu setzen und sich intensiv um das Wohlbefinden von älteren Menschen zu kümmern, die unter Alzheimer litten. Daraus entwickelte sich bis heute ein komplett neuer Zweig innerhalb der verschiedenen Gesundheitswesen in ganz Europa und Nordamerika, eine Industrie sozusagen, die zwar auch ihre Probleme hatte, dennoch aber viel zur Verbesserung der Lage von Patienten beitrug.
Auch in der Wissenschaft kam das Thema auf die Tagesordnung. Forschungsprojekte wurden ausgerufen, ganze Krankenhäuser spezialisierten sich auf Alzheimer, an Universitäten wurden entsprechende Programme ins Leben gerufen. Auch technologisch gab es Fortschritte, die so vor 30 Jahren selbst in den kühnsten Träumen der Ärzte nicht erahnt werden konnten. GPS-Geräte geben Patienten Bewegungsfreiheit, neueste Gehirntests ermöglichen die Diagnose schon vor dem Eintreten der schlimmsten Symptome, man kann helfen, bevor es zu spät ist.
Eine beachtliche Entwicklung – auch wenn wir von der Heilung von Alzheimer noch weit entfernt sind. Vielleicht sieht das in 30 Jahren schon ganz anders aus.

